„Es ist unser gemeinsames Kind – ich werde es weiter beobachten“

Warendorf. Die beiden Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann und Otto Becker haben 2013 Deutschlands U25 Springpokal gemeinsam mit dem Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) und der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport konzipiert und mit Hilfe der Familie Müter ins Leben gerufen. Aus der Idee ist eine erfolgreiche Turnierserie für die besten U25-Springreiter Deutschlands geworden. Eine Serie, die neben spannenden Finals vor allem hoffnungsvolle Talente hervorgebracht hat. Mit dem Co-Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann ist einer der beiden Initiatoren der Serie Ende des Jahres ausgestiegen. Zeit für ein Fazit nach sieben Jahren Springpokal.

Herr Engemann, die Saison 2020 war auch für Deutschlands U25 Springpokal eine besondere. Wie ist es aus Ihrer Sicht gelaufen?

Heinrich-Herrmann Engemann: 2020 war sportlich ein unheimlich schwieriges Jahr, auch für die U25-Reiter. Wir sind positiv und optimistisch mit zwei Sichtungslehrgängen in Mannheim und Warendorf ins Jahr gestartet und hatten eine tolle erste Qualifikation in Braunschweig. Dort hat sich die Familie Müter großartig engagiert, wir konnten dem Springpokal zum letzten Mal vor Zuschauern eine Bühne geben. Und dann – war erstmal nichts. Für die Sportler und die Pferde war es nicht so einfach, so runterzufahren und in einen Wartemodus zu verfallen, wenn eigentlich die grüne Saison vor der Tür steht. Es ist schwierig für Spitzensportler, damit umzugehen, wenn die Saisonziele nicht mehr realisierbar sind und nichts so richtig fix ist, auf das man hinarbeiten kann.

Nach dem ersten Lockdown und der coronabedingten Pause ging es für den Springpokal allerdings weiter. Was hat die Saison noch Positives mit sich gebracht?

Engemann: Ich bin froh, dass wir mit der zweiten Qualifikation in Warendorf einen Saisonhöhepunkt setzen konnten und dass sich dort alle so gut präsentiert haben. Solche Höhepunkte sind in dieser schwierigen Zeit wichtig gewesen für die jungen Sportler und ich bin der Stiftung und der Familie Müter dankbar, dass sie 2020 weiter an den Springpokal geglaubt haben. Ich bin außerdem mit einige Springpokal-Finalisten zu Nationenpreisen unterwegs gewesen, dort haben sie sich toll präsentiert. Guido Klatte und Richard Vogel sind beide Springpokal-Sieger, die beiden gehörten zum siegreichen Team bei Nationenpreis in Vilamoura. Das Finale in Riesenbeck war auch ein Höhepunkt. Ich bin dankbar, dass wir dank des Teams von Riesenbeck International und Ludger Beerbaum dieses tolle Finale ausrichten konnten. Ich war erstaunt, wie gut Reiter und Pferde drauf waren. Es ist eine Herausforderung, die Pferde so auf den Punkt fit zu haben, wenn die Saison so unsicher ist. Aber das Finale war super und Finja Bormann ist eine würdige Siegerin. Das war hervorragender Sport und sehr emotional, Finja ist schließlich am Tag zuvor Deutsche Meisterin geworden.

Das Finale in Riesenbeck schien auch für Sie persönlich sehr emotional. Warum?

Engemann: Zu dem Zeitpunkt stand bereits fest, dass ich als Co-Bundestrainer für die deutschen Springreiter aufhören und als Bundestrainer nach Kolumbien wechseln werde. Das Finale in Riesenbeck war mein Abschied. Peter Hofmann und Otto Becker haben eine bewegende Laudatio gehalten und die U25-Finalisten waren dabei. Das sind Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und das war ein sehr emotionaler Moment. Die jungen Leute dort vor mir zu sehen, ihre Entwicklung, was man aufgebaut hat und den guten Sport im Finale – das bestätigt einem, dass das Projekt richtig und gut ist, und dass wir die richtigen Leute ausgewählt haben.

Sie haben das Stiftungsprojekt „Deutschlands U25 Springpokal“ von Beginn an begleitet und die Reiterinnen und Reiter betreut. Welche waren Ihre Höhepunkte in sieben Jahren Springpokal?

Engemann: Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, zu sehen, wie sich der Springpokal entwickelt hat. Dass die Stiftung und die Familie Müter vom Projekt überzeugt sind, dass der Sport ein hohes Niveau hat und wir mit den Qualifikationen und Finals so erstklassige Turniere im Boot haben. Das Schönste an dieser Zeit war es aber, die jungen Leute kennenzulernen, zu fördern und auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten. Der Springpokal ist ja nicht nur Reiten, sondern hat auch viel für die persönliche Entwicklung der Athleten mit sich gebracht. Allein die jungen Talente in den Finals vor der großen Kulisse zu sehen und zu beobachten, wie sie sich entwickeln, bedeutet mir viel. Ich freue mich, wenn ich ihnen etwas vermitteln konnte und mir Respekt und Vertrauen entgegen gebracht wurden. Peter Teeuwen wird die Betreuung übernehmen – wir werden im Austausch bleiben und ich wünsche ihm viel Erfolg.

Was wünschen Sie sich für den Springpokal und die Altersklasse U25 in der Zukunft?

Engemann: Zuerst wünsche ich mir, dass das Projekt Springpokal weiterhin so Bestand hat – die wirtschaftliche Situation ist überall schwierig, das wissen wir, aber der Springpokal ist unheimlich wichtig für den Sport. Aktuell sind bei der FEI U25-Europameisterschaft im Springen im Gespräch. Aus meiner Sicht wäre das toll für diese Altersklasse. Wir wären gut vorbereitet, denn wir haben frühzeitig eine Serie aufgebaut, um die Altersklasse U25 vorzubereiten und zu fördern. Ich habe einen Herzenswunsch: Wenn ich mit meinem neuen Team irgendwann zur Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen fahre, möchte ich dort die Kandidaten aus dem Springpokal treffen. Ich wünsche mir, dass die Talente aus dieser Truppe bald championatsreif sind. Es gibt schon einige, die das bereits zeigen. Wenn diese jungen Leute gut beritten sind, werden wir sie im ganz großen Sport sehen. Ich habe den Springpokal mit kreiert und die Altersklasse U25 ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich die Wege dieser Reiterinnen und Reiter weiterverfolgen werde. Der Springpokal ist Ottos und mein gemeinsames Kind und das wird sich auch nicht ändern. Ich werde weiterhin beobachten, aber manchmal ist es ja auch gar nicht so schlecht, von außen drauf schauen zu können.

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