Rund 200 Pferdesporttrainer trafen sich zur Fortbildung in Warendorf

Warendorf. Zum dritten Mal hat das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) zum bundesweiten Trainerkongress nach Warendorf stattgefunden. Rund 200 Bundes-, Landes- und Heimtrainer aus ganz Deutschland nutzten die Gelegenheit, sich auf Einladung der DOKR-Trainerakademie und der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport mit ihren Kollegen auszutauschen. Für den Blick über den Tellerrand sorgten die Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner, der ehemalige Eiskunstläufer Alexander König, Gold-Coach der Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot, sowie der australische Pferdetrainer Tristan Tucker, der seine Herangehensweise vorstellte, um ein „Sportpferd auch im Kopf stark zu machen“.

„Sie können noch so tolle Einzelsportler haben, wenn sie nicht die gleichen Ziele verfolgen, die gleichen Werte haben und nicht die gleiche Idee, wie sie ihre Zeit verbringen wollen, wird es schwierig“, brachte Barbara Rittner das Thema ihres Vortrages „Große Egos = großer Erfolg?“ auf den Punkt und erntete damit zustimmendes Kopfnicken. Als ehemalige Team-Chefin des deutschen Fed-Cup-Teams (2005 bis 2017) weiß Barbara Rittner, worauf es ankommt, um mit einem Team erfolgreich zu sein: „Der Schlüssel ist die Kommunikation untereinander“, sagte sie. Dazu gehört auch großes gegenseitiges Vertrauen und ein gutes Betreuungsteam im Hintergrund. „Ohne das hast Du keine Chance, so viele ‚Antennen‘ kannst du alleine gar nicht haben“, so Rittner. Ihren größten Erfolg als Coach feierte die ehemalige Profi-Spielerin 2014, als unter ihrer Führung erstmals nach 22 Jahren wieder ein deutsches Team ins Fed-Cup-Finale einzog, dort allerdings gegen Tschechien verlor. „Möglicherweise war es ein Fehler, am eingeschworenen Siegerteam des Halbfinales etwas zu ändern“, sagte sie und sprach damit den Aspekt der Teamaufstellung an, der auch bei den Bundes- und Landestrainern im Pferdesport zu den schwierigsten Aufgaben zählt.

Während Rittner bis heute etwas mit ihrer damaligen Entscheidung hadert, erinnert sich Eiskunstlauftrainer Alexander König nur zu gut als an den Moment seines größten Triumphes: den Gewinn der Goldmedaille seiner Schützlinge bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Detailliert schilderte er, wie er die aus Ukrainerin stammende, damals schon mehrmalige Weltmeisterin Aljona Savchenko und ihren neuen Eislaufpartner, den gebürtigen Franzosen Bruno Massot in vier Jahren zu einem unschlagbaren Team zusammenschweißte – allen Sprachbarrieren, unterschiedlichen Lebensläufen und Arbeitseinstellungen und nicht zuletzt verletzungsbedingten Zwangspausen zum Trotz. Auch er betonte die Bedeutung des gegenseitigen Vertrauens, des Siegeswillens und der richtigen mentalen Einstellung, die am Ende zum Erfolg führen.

Um die richtige mentale Einstellung ging es auch im Praxisteil – in diesem Falle jedoch die der Pferde. Tristan Tucker demonstrierte seine Art der Bodenarbeit am Beispiel eines eigenen und eines von Kongress-Organisator Kai Vorberg zur Verfügung gestellten Pferdes. Sein Ziel: Die von der Natur vorgegebenen Verhaltensweisen des Pferdes auf Bewegungen, Annäherung, Geräusche und Berührungen so umzuprogrammieren, dass sich die Pferde auch im menschlichen Umfeld sicher fühlen und sich entspannen können. „Das ist heute umso wichtiger, als die Pferde durch die Zucht von sensibler und explosiver geworden sind“, sagte der gebürtige Brite, der in Australien aufgewachsen ist und seit 2009 einen Ausbildungsstall in den Niederlanden betreibt.

Der DOKR-Trainerkongress schloss mit Workshops in den verschiedenen Disziplinen ab, in denen sich die Teilnehmer noch einmal zum Gehörten austauschen oder disziplinspezifische Themen erörtern konnten. „Der Austausch untereinander ist genauso wichtig wie die Impulse durch die Referenten“, sagte Dr. Dennis Peiler, DOKR-Geschäftsführer, der sich mit der Resonanz hochzufrieden zeigte. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Beim ersten Kongress waren es gerade einmal halb so viele Teilnehmer.“

Der DOKR-Trainerkongress ist ein Baustein der im vorletzten Jahr gegründeten DOKR-Trainerakademie, die mit Seminaren, Einzelmaßnahmen und eben auch dem Trainerkongress für einen flächendeckenden Pool an Trainern in Deutschland sorgen soll, damit das aktuelle Topniveau des deutschen Pferdesports auch in den kommenden Jahren erhalten bleibt. Unterstützt werden die DOKR-Trainerakademie wie auch der Trainerkongress durch die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport sowie die Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung. „Der DOKR-Trainerkongress ist eines von fünf Leuchtturmprojekten der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport“, sagte deren Vorsitzende Jochen Kienbaum. „Als Stiftung wollen wir dazu beitragen, dass Deutschland auch in Zukunft als große Pferdesportnation wahrgenommen wird.“

Tristan Tucker in Action beim 3. DOKR-Trainerkongress in Warendorf, Foto: Monika Kaup

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